Der Märtyrerweg


Station 6: Lutherkirche

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Der Künstler und das Kunstwerk
Der Ort

Der Künstler und das Kunstwerk

Die Skulpturen des Kieler Künstlers Jo Kley bilden Brücken, Schlaufen und Knotenpunkte. Kley, der in Kiel lebt und arbeitet, möchte, dass die Menschen mit seiner Kunst in Kontakt kommen und sich mit ihr auseinandersetzen. Seine Skulpturen sind stets im Kontext ihrer jeweiligen Umgebung und den Menschen, die sich in ihr aufhalten. Der Künstler schafft es, seinen Skulpturen, die aus tonnenschwerem Stein bestehen, Bewegung zu verleihen. Das ursprüngliche Material tritt in den Hintergrund und die Illusion eines neuen Materials entsteht. Dies ist bei der Skulptur vor der Lutherkirche Lübeck zu beobachten. Der Granit wirkt wie gespannte Seile oder Bänder, die den oberen Teil der Stele umschlingen.

Der Ort

Die Lutherkirche, eine Backsteinkirche ist eine der wenigen Kirchen, die in der Zeit des National¬sozialismus (1933-1945) gebaut wurden. Sie wurde 1937 geweiht und ist seit 1993 ein Denkmal ihrer Zeit. Erbaut ist die Kirche im regionalen Heimatschutzstil gebaut – damit entspricht sie den architektonischen Idealen damaliger Baukunst. Als die Kirche entstand, war Karl Friedrich Stellbrink Hauptpastor in der Luthergemeinde. 1934 wurde Pastor Stellbrink als überzeugter Nationalsozialist nach Lübeck berufen, aber bald erkannte er den Unrechtscharakter des „Dritten Reiches“. Das verstärkte sich, nachdem er drei junge katholische Kapläne der Herz-Jesu-Kirche kennengelernt hatte. Gemeinsam schrieben sie Predigten des Bischofs von Münster gegen die Ermordung geistig Behinderter ab, verbreiteten sie und bezogen offen Stellung gegenüber nationalsozialistischer Politik. An Palmarum 1942, am Morgen nach der Bombardierung Lübecks, hielt Pastor Stellbrink einen Konfirmationsgottesdienst ab. Darin predigte er, dass Gott mit mächtiger Stimme gesprochen habe und die Lübecker wieder beten lernen würden. Dieses verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und wurde der letzte Auslöser für seine Verhaftung.

Auch die katholischen Kapläne wurden anschließend verhaftet. Am 23. Juni 1943 wurden die vier Lübecker Märtyrer vom Volksgerichtshof im Lübecker Landgericht im Burgkloster zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 in Hamburg hingerichtet. Die Urne von Pastor Stellbrink wurde 1949 in eine Innenwand der Lutherkirche eingelassen. Ab November 2014 wird auf der Empore der Lutherkirche eine neu konzipierte Ausstellung zu den vier Lübecker Märtyrern gezeigt.